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Rapper Elemix über Sexismus im Rap: ,,Für manche ist es Kunst, für andere eine Lebensrealität''

Blonder Pferdeschwanz, drei Tage Bart: das ist Elemix, bürgerlich Louis Benedikt Münnix. Der deutsche Nachwuchsrapper lebt in Amsterdam, studiert Music Technology Specialist und will den Rap revolutionieren. Der 21-Jährige hat genug vom frauen-, homosexuellenfeindlichen und rassistischem Rap und will mit seiner Musik eine Alternative schaffen. 


Elemix, du bist begeisterter Rapper. Wie lange rappst du schon und wieso hast du damit angefangen?


Elemix: Wirklich damit angefangen habe ich in der 6. Klasse. Damals habe ich den Song ,,Not afraid’’ des Rappers Eminem gehört. Der hat mich einfach gecatcht. Ich fand ihn unglaublich kraftvoll und konnte mich damit identifizieren. Danach wollte ich selbst rappen, weil es Spaß gemacht hat und ich in der Pubertät auch etwas brauchte, was mein Ding war und wo mir niemand dazwischen redet. In der Oberstufe habe ich meine Songs dann aufgenommen und meinen Freunden vorgespielt. Die haben mich dann dazu gepusht diese auch auf Youtube zu veröffentlichen. Später habe ich begonnen mich immer mehr mit Produktionstechniken auseinanderzusetzen und versucht immer mehr Leute in der Branche kennenzulernen. 


Viele deiner Songs wie ,,Don’t worry’’, ,,Crazy life’’ oder ,,Bella’s Song’’ haben einen persönlichen Bezug. Was willst du mit ihnen erreichen? 


Elemix: Diese Frage habe ich mir tatsächlich noch einmal vor einigen Monaten gestellt. Ich glaube, dass Musik etwas verändern kann und unsere Umwelt auch prägt. Ich glaube, dass wenn jemand der 187 Straßenbande hört und sagt die Texte würden spurlos an einem vorbeigehen, er sich etwas einbildet. Es ist wie bei McDonalds: das Essen geht nicht raus und rein und hat keinen Effekt auf deinen Körper. Deshalb habe ich mich gefragt, was ich mit meiner Musik erreichen will und man kann sagen, dass sich meine Musik in zwei Kategorien aufteilen lässt: entweder rappe ich über persönliche Erfahrungen, Erkenntnisse oder Erlebnisse. Beispielsweise hat mich ein Mädchen einfach geküsst und das habe ich aufgeschrieben. Andererseits gibt es auch Songs über soziale Fragen und Ungerechtigkeiten, die mich beschäftigen. Auslöser dafür ist meist Wut. Weil ich etwas gegen diese machen möchte, äußere ich mich musikalisch. 

Dem Deutschrap wird teilweise Sexismus, Homosexuellenfeindlichkeit und Rassismus nachgesagt. Wie stehst du dazu? 


Elemix: Das ist für mich ein sehr großes Thema, weil ich mich deshalb tatsächlich lange gefragt habe, ob ich die Musik, die ich machen will, auch machen kann. Meine Texte sind sehr ,,unrappermäßig’’, da habe ich mich gefragt, ob jemand das überhaupt hören will. Gott sei Dank wurden dann aber Rapper wie Marteria oder Casper bekannt, die mir gezeigt haben, dass es nicht nur okay, sondern auch wichtig ist solche Rapmusik zu machen. Weil es mehr als genug Leute gibt, die die Stärke und Energie des Raps haben wollen, aber keine verachtenden Texte. Deshalb ist es wichtig, dass solche Texte auch existieren. Ich finde, dass wenn jemand sexistische, rassistische oder homosexuellenfeindliche Texte schreibt, es auch etwas über ihn aussagt. Es mag für ihn zwar Kunst sein, für andere ist es aber eine Lebensrealität. Künstler, die mit sexistischen Inhalten Geld machen, ist es gar nicht bewusst, was sie damit teilweise anrichten. Ich verstehe nicht, wieso andere Leute nicht erkennen, dass das ein Problem ist. Daher kommt auch mein Bedürfnis anders als Musiker zu sein. Das mag zwar nicht der einfache Weg sein und eventuell führt er auch nicht zum Erfolg, aber es ist für mich der richtige Weg. Ich finde aber, dass man alle Musik in zwei Arten unterteilen kann: einmal Musik, die Menschen verachtet und die, die Menschen hochhebt. Jeder Künstler muss sich selbst fragen, mit welcher Energie er sich umgeben will. Ich habe meine Wahl schon lange getroffen.  


Glaubst du dass, wenn solche Bilder im Rap präsentiert werden, es eine Auswirkung auf die Gesellschaft hat? 


Elemix: Also, dass ich in meiner Jugend Bushido gehört habe, hat mir wahrscheinlich nicht so gut getan. In der Pubertät ist man so formbar und unsicher, wenn man sich dann so etwas Hasserfülltes reinzieht, gibt das einem nichts. In dieser Welt gibt es schon so viel Hass, da muss man sich fragen, ob man das auch noch in der Musik wiederfinden muss. Ich bin von diesem Rap weg, weil es wirklich genug andere Künstler gibt. Der Respekt gegenüber anderen steht für mich über der Musik. Ich frage mich auch, wo wir hinkommen, wenn das nicht an erster Stelle steht. Dann sagen wir, du bist schwul und musst es jetzt ertragen, dass ich mich homosexuellenfeindlich äußere, denn ich darf das und wenn du dich dann wertlos fühlst, dann ist es nicht mein Problem. 

Welche deutschen Rapper hörst du denn gerne? 


Elemix: Disarstar, der spricht viel über seine privaten Erfahrungen im Heim und generell sehr vielen Menschen aus dem Herzen. Er stellt Menschen über alles andere. Aber auch Kummer von Kraftklub und Tarek von KIZ finde ich gut. Generell feiere ich Künstler, die sich politisch äußern. Viele Leute denken, man kann eh nichts ändern und muss sich aus diesem Grund nicht politisch engagieren. Das ist Schwachsinn, finde ich. Anderer Rap ignoriert auch viele Probleme und ich bin nicht fürs Ignorieren, sondern fürs Ansprechen. Ich denke aber auch, dass nicht alle Gangsterrapper aus den gleichen Intentionen rappen. Haftbefehl will meiner Meinung nach eher zeigen wie seine Realität ist und vielleicht auch eher verdeutlichen, dass man so nicht leben will. 

In deinem neuen Song ,,Instagram'', der heute erscheint, kritisiert du soziale Medien. Wieso wolltest du darüber einen Song machen?


Elemix: Mir ist einfach aufgefallen, dass die Leute gar nicht mehr mit mir reden, sondern alle nur auf ihr Handy sehen. Ich habe gemerkt, je mehr Zeit ich auf Instagram verbringe, desto unzufriedener werde ich. Zusätzlich habe ich gesehen, wie viel Geld mit Instagram, auch durch die Musikbranche, generiert wird. Danach habe ich entschieden, dass ich das nicht mehr mitmache, habe meinen Account geleert und einen Song darüber geschrieben. Einen Song, der Awareness schafft. 


Und wie geht es für dich musikalisch weiter? 


Elemix: Ich möchte weiter meinen Stil finden und ehrlich und authentisch bleiben. Ich möchte über Sachen schreiben, über die man gern mal reden würde. Ich hoffe, dass ich durch meine Musik anderen Menschen etwas zum Nachdenken mitgeben kann.

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