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Junge Eltern – die neuen Rebellen?

Mitte 20, schon verheiratet und zwei Kinder? Wollen sie nicht lieber ihre Jugend genießen?Ist das das Leben, das sie sich gewünscht haben? Ein Satz, den junge Eltern oft hören. Auch die in meinem Freundeskreis. Dort gibt es nun schon einige Pärchen, die in ihren 20ern Kinder bekommen haben. Im Gegenzug natürlich aber auch viele, die noch keine Kinder haben und die sich noch nicht oder überhaupt nicht dazu bereit fühlen.


Die meisten wollen erst mal ihr Studium oder ihre Ausbildung beenden, einen guten Job oder den richtige*n Partner*in finden. Alles schön und gut, meiner Meinung nach sehr nachvollziehbar. Aber was ist, wenn man einen ganz anderen Plan hat? Schon lange befindet man sich in einer festen Beziehung, verspürt den Wunsch zu heiraten oder eine Familie zu gründen – ist aber erst Anfang oder Mitte 20. Das findet die Gesellschaft eindeutig zu früh. Komisch, denn früher waren Frauen und Männer schon viel früher in festen Händen. Ist es heute also andersherum – ist man rebellisch, wenn man gegen die gesellschaftlichen Normen verstößt, in dem man früh heiratet und Kinder bekommt?


Im ersten Moment würde man junge Eltern nicht unbedingt als Rebellen bezeichnen. Früh Kinder zu bekommen und sich fest zu binden, wird wohl eher als spießig angesehen. Es wird unterstellt, dass diese Personen ihre Jugend viel zu früh aufgeben, weil sie nicht mehr feiern gehen oder ihre Lüste ausleben können. Daran mag auch etwas dran sein, denn natürlich bedeuten Kinder Verantwortung und nicht jeder fühlt sich dazu schon bereit.


Andere wünschen sich aber nichts mehr als endlich eine Familie zu gründen. Eine Bekannte von mir kennt ihren Partner beispielsweise schon aus der Schule, nach drei Jahren zogen sie zusammen. Nach einer kurzen Pause wussten sie schließlich, dass sie zueinander gehörten. Sie heirateten und bekamen ein Jahr später ihr erstes Kind - und das mit 25. Sie selbst war noch im Studium, pausierte für ein Jahr. Nach diesem starteten beide dann auch mit Kind durch: sie beendete ihr Studium, er arbeitete und absolvierte nebenbei seinen Master. Die beiden setzten ihre Vision vom Leben um und sind heute sehr glücklich, auch wenn manche ihren Lebensentwurf vielleicht nicht unterstützen.


In gewisser Weise sind sie also Rebellen, sie gestalteten ihr Leben so wie sie es wollen. Sie zeigen, dass es ganz egal ist, in welchem Alter man sich dazu entschließt eine Familie zu gründen. Vielleicht im frühen, wohlmöglich auch erst im späten Alter. Denn warum sollte man genau mit 30 Jahren die eine Person finden, mit der es passt?


Aber waren sie deshalb Rebellen? Oder lag es an meiner Perspektive, dass ich das Ganze so rebellisch fand? ,,Du musst dir vergegenwärtigen, dass wir in Berlin, einer Großstadt, leben. Natürlich bekommen die Leute hier eher später Kinder. Auf dem Land oder selbst in Kleinstädten, mag das aber anders sein‘‘, sagte eine meiner Freund*innen. Da hatte sie wohlmöglich Recht. Schon oft hatte ich von Freund*innen, die nicht aus Berlin kamen, gehört, dass Bekannte bereits Kinder bekamen – auch schon in meinem Alter.


Für andere Menschen war es somit nicht unbedingt so ungewöhnlich jung Kinder zu bekommen, vielleicht ist es bei ihnen sogar die Norm. Ob junge Eltern somit neue Rebellen sind, richtet sich nach der Perspektive. Fest steht aber, dass

alle, die sich für ein Kind entscheiden, Mut haben.

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